Nutzwertanalyse: Emotional geprägte Entscheidungen quantifizieren

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Ich kann mich nicht entscheiden! Kennst du das? Sicher stehst auch du immer wieder vor dem Problem, dass in deinem Projekt keine Entscheidungen getroffen werden und du deshalb nicht vorankommst. Mit der Nutzwertanalyse bekommst du ein Werkzeug an die Hand, um Entscheidungen vorzubereiten und den Entscheidungsprozess transparent zu machen. Dieser Artikel enthält eine Vorlage und zeigt dir Schritt für Schritt wie´s geht.

Entscheidungen zu treffen ist nicht immer einfach. Insbesondere auch dann nicht, wenn viele Alternativen berücksichtigt werden sollen. Oft ist es auch schwierig die Alternativen miteinander zu vergleichen, vor allem dann, wenn sich die Entscheidungskriterien nicht in Zahlen ausdrücken lassen.

Genau hier setzt die Nutzwertanalyse als Entscheidungsinstrument an.

Sehen wir uns das also mal etwas genauer an.

Überblick über die Nutzwertanalyse

Die Nutzwertanalyse ist ein qualitatives Entscheidungsinstrument.  Was heißt das? Ganz einfach: Die NWA ist ein prima Instrument, um Entscheidungen auch bei Situationen transparent zu machen, die sich nicht so gut in Zahlen ausdrücken lassen.

Kurz: Wir quantifizieren qualitative Entscheidungskriterien.

Oder etwas weniger wissenschaftlich: Die Nutzwertanalyse ist eine Methode, bei der subjektive Einflüsse in Zahlen ausgedrückt werden können und somit vergleichbar werden.

Ablauf der Nutzwertanalyse

Die Nutzwertanalyse folgt einem klarem Ablauf und wird in 7 Schritten durchgeführt:

  1. Festlegung der Alternativen zwischen denen entschieden werden soll. Die Anzahl der Alternativen ist dabei an sich nicht beschränkt. Trotzdem solltest du darauf achten, dass es nicht zu viele Alternativen sind, sonst wird die Nutzwertanalyse sehr schnell unübersichtlich.
  2. Definieren der Bewertungskriterien, an denen die Entscheidung fest gemacht wird. Bei der Festlegung der Bewertungskriterien lohnt es sich bereits, die potentiellen Entscheider mit einzubeziehen. Ergebnis dieses Schritts ist eine Kriterienliste.
  3. Gewichtung der Bewertungskriterien. Hier geht´s um die Wichtigkeit bzw. Priorität der Bewertungskriterien. Jedem Kriterium wird ein Wert zwischen 0 und 1 zugeordnet. In Summe ergeben alle Kriterien 1.
  4. Maßstab für die Bewertung festlegen. Hier ist eigentlich alles möglich. Ich verwende hier ganz gerne ein umgedrehtes Schulnotensystem. 6 = sehr gut, 1 = weniger gut. Wichtig ist, dass die Bewerter den Maßstab einheitlich einhalten, damit später die Vergleichbarkeit gegeben ist.
  5. Alternativen bewerten. In diesem Schritt wird die eigentliche Bewertung durchgeführt. Jedem aus Schritt 2 festgelegten Kriterium wird ein Punktwert (Festlegung aus Schritt 4) zugewiesen.
  6. Gewichtung durchführen. Nun werden die vergebenen Punktwerte mit der festgelegten Gewichtung multipliziert. So ergibt sich der Wert, der die Gesamtbewertung einfließt.
  7. Auswahl der Alternative. Die Alternative mit dem höchsten Nutzwert gewinnt, d. h. hier ist die Entsprechung der definierten Kriterien am höchsten.

Jetzt aber genug mit Theorie. Spielen wir die 7 Schritte mal an einem Beispiel gemeinsam durch.

Praxisbeispiel: Anwendung der Nutzwertanalyse

Nehmen wir mal an, wir planen eine Expedition auf den Mount Everest. Dafür brauchen wir eine Menge Ausrüstung. Unter anderem ein Zelt. Nachdem wir uns ein wenig umgesehen haben, sind 2 Zelte übrig geblieben: Sherpa extreme und Yeti 2.0. Schritt 1 wäre damit erledigt. Wir haben 2 Alternativen, die wir vergleichen wollen, ausgewählt.

In Schritt 2 geht es nun um die Bewertungskriterien. Wir legen fest:

  • Gewicht
  • Packmaß
  • Design
  • Haltbarkeit

Kommen wir zur Gewichtung (Schritt 3), d. h. wir legen also fest, wie wichtig uns jedes einzelne Kriterium ist. Dabei kommen wir zu folgender Entscheidung:

  • Das Gewicht gewichten wir mir 0,3. Es ist uns wirklich wichtig. Denn wir müssen das Zelt ja schließlich einige Meter in die Höhe tragen.
  • Das Packmaß gewichten wir mit 0,4. Es ist uns noch ein wenig wichtiger wie das Gewicht. Wir haben jede Menge Gepäck dabei. Da darf das Zelt nicht zu viel Platz einnehmen.
  • Das Design gewichten wir mit 0,1. Es ist uns eher unwichtig. Das Zelt muss nicht schön sein, nur praktisch.
  • Die Haltbarkeit gewichten wir mit 0,2. Nach unserer Expedition planen wir noch weitere. Es wäre also schön, wenn wir unser Zelt wiederverwenden könnten.

Als Bewertungsmaßstab (Schritt 4) nutzen wir das oben bereits beschriebene umgedrehte Schulnotensystem.

Schritt 5 und 6 kombinieren wir, führen also die Bewertung durch und berechnen die Gewichtung und summieren die Werte auf. Das Ganze kann dann so aussehen:

Die Nutzwertanalyse - qualitative Entscheidungen quantifizieren

Die Nutzwertanalyse – qualitative Entscheidungen quantifizieren

Für Schritt 7, unsere Entscheidung, hat sich also herauskristallisiert, das wohl das Zelt Sherpa extreme am besten für unsere Zwecke geeignet ist.

Stellt sich noch die Frage: Womit setzt man das am besten um? Spezielle Nutzwertanalyse Software gibt es eigentlich nicht. Wenn ich in meinem Projekten auf dieses Entscheidungsinstrument zurückgreife, arbeite ich immer mit einem Tabellenkalkulationsprogramm. Am Ende des Artikels kannst du dir eine fertige Vorlage runterladen.

Exkurs: Subjektivität und Interpretation der Ergebnisse

Am Anfang hatte ich erwähnt, dass sich die Nutzwertanalyse dazu eignet, subjektive Einflüsse in Zahlen auszudrücken. Das ist Fluch und Segen zugleich.

Du wirst das kennen. Wenn du dich für etwas entscheiden sollst, ist deine Meinung meistens schon ein bisschen vorgeprägt und du hast schon eine gewisse Vorstellung davon, was du willst. Du bist als subjektiv geprägt. 

Genauso ist es natürlich im Projekt. Oft haben die Bewerter und Entscheider, meistens sogar die gleichen Personen, eine gewisse Vorstellung davon, was sie möchten und was nicht. So ist es natürlich möglich, da die Kriterien und Gewichte bekannt sind, die Nutzwertanalyse zu dem Ergebnis zu lenken, wo man es gerne haben möchte. Die Neutralität ist bei dieser Methode also nicht garantiert. 

Trotz diesem Umstand ist die Nutzwertanalyse aus meiner Sicht ein sehr wertvolles Instrument. Sie macht den Entscheidungsprozess transparent!

Das sollte bei der Interpretation des Ergebnisses unbedingt berücksichtigt werden.

Vor- und Nachteile der Nutzwertanalyse

Vorteile:

  • Qualitative Entscheidungskriterien lassen sich quantifizieren
  • Der Entscheidungsprozess wird transparent gemacht
  • Die Entscheidung und deren Herleitung ist dokumentiert

Nachteile:

  • Die Bewertung ist sehr subjektiv geprägt
  • Bei sehr vielen Alternativen kann die Methode schnell unübersichtlich werden
  • Die Erstellung ist relativ aufwändig

Fazit

Du hast die Nutzwertanalyse in diesem Artikel als wertvolles Entscheidungsinstrument kennengelernt. In 7 einfachen Schritten kannst du Entscheidungen aufbereiten und für die Entscheider transparent machen. Trotz der stark subjektiv geprägten Ergebnisse eignet sie sich dennoch sehr gut um eine Entscheidung strukturiert und dokumentiert herbeizuführen.

Vorlage zum Download

Möchtest du die Nutzwertanalyse selbst mal ausprobieren? Dann kannst du dir hier eine kostenlose Vorlage runterladen:

www.agile-master.de_NWA.xlsx

Dein Feedback?

Ich bin gespannt auf dein Feedback:

  • Hast du die Nutzwertanalyse in deinen Projekten bereits angewendet?
  • Was denkst du: Für welche Fälle eignet sich sich?
  • Konntest du die Vorlage nutzen?

Ich freue mich über deine Rückmeldung direkt in den Kommentaren.

Es bloggt für dich: Sven

Ich leite seit über 13 Jahre Projekte und bin immer noch mit Leidenschaft dabei. Das sorgt dafür, dass mir der Schreibstoff so schnell nicht ausgeht. Kaffee und Crossfit halten mich oben. In der Freizeit bin ich auf den Hund gekommen.

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