Projekt – Definition: Was ist ein Projekt?

| 4 Kommentare | Projektmanagement |

Der Begriff Projekt wird heute sehr weitläufig, fast schon inflationär, gebraucht. Teilweise ist sogar scherzhaft schon von Projektitis die Rede. Um einen Projekt-Wildwuchs zu vermeiden und um die betrieblichen Ressourcen möglichst wirtschaftlich einzusetzen, verlangt es oft nach praxistauglichen Entscheidungskriterien. In diesem Artikel beschäftige ich mich deshalb mit den beiden Fragen: Was ist ein Projekt? Und ab wann ist die Einrichtung einer Projektorganisation überhaupt sinnvoll?

Der Artikel ist in mehrere Bereiche gegliedert.

Zuerst sehen wir uns an, wie ein Projekt laut DIN definiert ist.

Im zweiten Schritt siehst du dann, wie du diese Definition des Projekts praxistauglich machen kannst.

Los geht´s.

Definition und Bewertungskriterien eines Projekts

Schauen wir erst mal, was im Lehrbuch steht. Eine sehr häufig verwendete Definition für ein Projekt gibt die DIN 69901 vor:

Ein Projekt ist ein Vorhaben, das im wesentlichen durch Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer Gesamtheit gekennzeichnet ist, wie z. B.: Zielvorgabe, zeitliche, finanzielle, personelle oder andere Bedingungen, Abgrenzungen gegenüber anderen Vorhaben und projektspezifische Organisation.

Ist jetzt alles klar? Ich meine: Nein. Die DIN lässt eine Menge Interpretationsspielraum. Auf die Praxis bezogen, möchte ich die einzelnen Kriterien der Norm etwas ergänzen bzw. erklären:

  1. Einmaligkeit: Die Tätigkeiten des Projekts werden einmalig, nicht zyklisch, ausgeführt, um einen definierten Zustand zu erreichen.
  2. Klares Ziel: Es wird nicht einfach so gearbeitet. Es gibt ein klares und messbares Ziel, was mit dem Projekt erreicht werden soll.
  3. Zeitliche Begrenzung: Anfang und Ende eines Projekts sind klar definiert und terminiert.
  4. Finanzielle Abgrenzung: Die Kosten für das Projekt lassen sich bestimmen und von laufenden Kosten abgrenzen.
  5. Personal: Die Arbeit findet interdisziplinär – in Teamarbeit – statt und bewegt sich außerhalb der Linie.
  6. Abgrenzung zu anderen Vorhaben: Der Output des Projekts kann überschneidungsfrei zu anderen Projekten/Vorhaben bestimmt werden.
  7. Eigene Organisation: Das Projekt erfordert eine eigene, von der Linie abgrenzbare, Organisation.

Damit ist erst mal die Frage beantwortet, was ein Projekt eigentlich ist.

Definitionen sind allerdings so eine Sache, finde ich. Sie sind gut, um einen theoretischen Grundstock zu legen. In der täglichen Arbeit eignet sich das Set an Kriterien eher weniger zur Abgrenzung, um Projekte von anderen Vorhaben und Aufgaben zu separieren.

Für die Praxis steht als immer noch die Frage im Raum:

  • Ab wann ist ein Projekt ein Projekt?
  • Oder viel mehr: Anhand welcher Kritierien entscheidet man, ob die Einrichtung eines Projekts sinnvoll ist?

Praxistaugliche Einordnung des Projektbegriffs

Was ist ein Projekt?Aus meiner Erfahrung haben sich in der Praxis vor allem 2 Beurteilungskritrieren bewährt.

  1. Innovationscharakter oder auch Neuartigkeit, was so in der DIN gar nicht auftraucht. Als Organisation stellt man sich also die Frage: Haben wir eine solche Aufgabe schon einmal gelöst und haben dafür standardisierte Prozesse?
  2. Personal. Hier rückt die Teamarbeit in den Vordergrund. Als Organisation fragt man sich also: Ist für die Bearbeitung der neuartigen Aufgabe abteilungs- und bereichsübergreifende Teamarbeit notwendig?

Betrachten wir diese beiden Aspekte nun etwas näher.

  • Klar ist, dass man sich bei neuartigen Aufgaben auf innovativem Boden bewegt. Die Aufgaben werden erstmalig gelöst und für den daraus resultierenden Output sind erst noch Standardprozesse zu schaffen.
  • Bei abteilung- und bereichsübergreifender Teamarbeit ist zudem eine über die Linie hinausgehende Personalkoordination notwendig.

Aus der Verbindung der beiden Kriterien wird klar, dass die Aufgaben nicht mit den derzeitigen Strukturen im Unternehmen gelöst werden können und eine besondere Behandlung – die Projektorganisation – benötigen.

Tipps zum Weiterlesen

  • Eine ebenfalls gute Erklärung zum Projektbegriff habe ich bei Uwe und Lukas auf projektnachwuchs.de gefunden. Sie gehen auch darauf ein, wie du erkennst, dass du kein Projekt vor dir hast.

Fazit

Keine Frage: Projektarbeit ist eine gute Sache, aber sie erfordert doch einen gewissen Overhead, der gut überlegt sein will.

Mit der einfachen Betrachtung der beiden Kriterien Innovationscharakter der Aufgaben und Personal erhält man jedoch ein einfaches Instrument, mit dem man schnell prüfen kann, ob sich die Etablierung einer Projektorganisation lohnt oder nicht.

Du weißt jetzt, wie du prüfen kannst, ob sich eine Projektorganisation lohnt. Eine Frage bleibt aber offen: Wie kannst feststellen, ob überhaupt ein Projekt gestartet werden soll? In meinem Artikel zur Situationsanalyse werde ich dir erklären, wie du zu dieser Entscheidung kommst.

Dein Feedback?

Was mich jetzt von dir interessiert:

  • Welche Erfahrungen hast du gemacht?
  • Anhand welcher Kritierien legst du fest, ob eine Projektorganisation sinnvoll ist oder nicht?

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Es bloggt für dich: Sven

Ich leite seit über 10 Jahre Projekte und bin immer noch mit Leidenschaft dabei. Das sorgt dafür, dass mir der Schreibstoff so schnell nicht ausgeht. Kaffee und Crossfit halten mich oben. In der Freizeit bin ich auf den Hund gekommen.

4 Kommentare

  1. Hallo,
    der Artikel war sehr hilfreich und hat mich wirklich weitergebracht!

    Vielen Dank für die hilfreichen Tipps!

    MfG

  2. Hallo Christian,

    schön, wenn dir der Artikel weitergeholfen hat.

    Grüße
    Sven

  3. Hallo Sven,

    toller Artikel und tolle Seite.
    Freu mich schon auf weiteren interessanten Lesestoff.

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